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Fachtag "Ankommen in Deutschland" in der Bremischen Bürgerschaft

Die Senatorin für Soziales, Jugend, Kinder und Frauen, Anja Stahmann, hat am 20. April 2015 den Fachtag der Deutschen Kinder und Jugendstiftung "Ankommen in Deutschland – Zusammenarbeit in der Kommune für geflüchtete Kinder und Jugendliche" im Festsaal der Bremischen Bürgerschaft eröffnet. Über 200 Expertinnen und Experten aus Bremen und dem Bundesgebiet haben sich über best practice-Modelle und kommunale Strategien der Integration von jungen Flüchtlingen ausgetauscht.

Die Deutsche Kinder und Jugendstiftung hat eine Dokumentation des Fachtags erstellt, die auf der Webseite abgerufen werden kann: www.dkjs.de/ankommen-bremen(ab dem 4. Juni 2015)

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Anja Stahmann, Foto: Frank Scheffka

Anja Stahmann machte in ihrer Begrüßung deutlich, dass die Aufnahme der wachsenden Zahl der Flüchtlinge eine Aufgabe für das ganze Gemeinwesen sei, von den staatlichen Institutionen bis hin zur gesamten Zivilgesellschaft: "Die Vielfalt der Menschen, die auf verschiedenen Wegen zu uns kommen, bedeutet eine Vielzahl an Aufgaben, die keinen Aufschub zulassen: Jeder junge Flüchtling hat seine eigene individuelle Biografie, Sehnsüchte und Wünsche. Sie alle brauchen, erstmal eine Dach über dem Kopf, ausreichende Ernährung, Gesundheitsvorsorge, Vermittlung grundlegender Kenntnisse, Kultur und Sprache, Bildung und Perspektiven."
"Bremen stellt sich dieser Aufgabe", so Anja Stahmann. Sie verwies auf das im Dezember 2014 beschlossene Gesamtkonzept des Senats zur Aufnahme und Integration von Flüchtlingen. "Damit verfolgen wir zwei grundsätzliche Linien: Wir verstehen es als eine humanitäre Verpflichtung, die ankommenden jungen Menschen und Familien - deren Zahlen nicht prognostizierbar sind – aufzunehmen und ihnen über Integrationsmaßnahmen und schulische wie berufliche Bildung die Möglichkeit zu geben, in unserer Gesellschaft ihren Platz zu finden. Gleichzeitig sehen wir darin eine Chance: für die gesellschaftliche Vielfalt, für die Entwicklung der Stadt, ihrer Wirtschaft und des Arbeitsmarktes", machte Anja Stahmann deutlich.
Sie sei sehr stolz darauf, "mit welchem Ideenreichtum und Engagement die Bremerinnen und Bremer die Neuankömmlinge in unserem Land, in beiden Städten, unterstützen und willkommen heißen."

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Dr. Heike Schmid-Obkirchner, Foto: Frank Scheffka

Dr. Heike Schmid-Obkirchner, Leiterin des Referates „Rechtsfragen der Kinder- und Jugendhilfe“ im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend verwies in ihrer Begrüßung auf die geplante Gesetzesänderung zur Aufnahme junger unbegleiteter Flüchtlinge in Deutschland: "Bei dem geänderten bundesweiten Verteilverfahren wird die Kindeswohlsicherung an oberster Stelle stehen. Die Kommunen und Jugendhilfeeinrichtungen müssen auf die Aufnahme der jungen Menschen vorbereitet sein."
Zur Unterstützung der Kommunen bei dieser Aufgabe wird das Bundesministerium ein Förderprogramm auflegen, das von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung umgesetzt wird, berichtete Frau Schmid-Obkirchner aus dem Ministerium.

Dr. Heike Kahl, Foto: Frank Scheffka, raum – atelier für fotografie, jpg, 68.5 KB
Dr. Heike Kahl, Foto: Frank Scheffka

Die Geschäftsführerin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, Dr. Heike Kahl, plädierte in ihrer Begrüßung für eine schrittweise Herangehensweise, um die große Aufgabe, vor der die Behörden und die Bürgerinnen und Bürger stehen, zu bewältigen.
"Die Herausforderungen sind aktuell so groß, dass mancherorts von der „Flüchtlingskrise“ gesprochen wird, die oftmals das Gefühl von Überforderung auslöst. In dieser Situation sind die Kompetenzen und Ressourcen aller gefragt, d.h. Lösungen können nur gemeinsam entwickelt und umgesetzt werden. Dabei ist das zivilgesellschaftliche Engagement enorm groß und kann noch mehr genutzt werden."

Bevor der Fachtag in die Arbeitsphase ging wurde ein Kurzfilm präsentiert, den Jugendliche begleitet vom Servicebuero Jugendinformation und dem Bremer Jugendring in dem Kooperationsprojekt "Europa und Du?!" in Bremen realisiert haben.
Der Film erzählt die Fluchtgeschichte des jungen Tarek von Syrien nach Deutschland:
Webvideo "Tarek Chalabi"

Das junge Bremer Filmteam wurde für den "ARD-Civis Medienpreis für Integration und kulturelle Vielfalt in Europa" in der Kategorie Online Medienpreis nominiert.

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Diskussion im Publikum, Foto: Frank Scheffka

Im Zentrum des Fachtags stand die Frage: „Wie können unterschiedliche Akteure der Verwaltung miteinander arbeiten und so mit der Zivilgesellschaft kooperieren, dass ein gutes Aufwachsen für geflüchtete Kinder und Jugendliche vor Ort möglich ist?“
Den über 200 Teilnehmenden wurden auf dem Fachtag ein kleiner Ausschnitt Bremer best-practice-Modelle in den Workshops vorgestellt: angefangen von der Willkommenskultur in den Kitas über das Gastfamilien-Projekt "Kinder im Exil" von PiB, das Fussball-Projekt "Spielraum" von Werder Bremen bis hin zu den Runden Tischen, die sich in den Stadtteilen für Flüchtlinge einsetzen.

Uta Rieger vom UNHCR gab einen Überblick über die Lebenswelten geflüchteter Kinder, Jugendlicher und ihrer Familien in Deutschland. Johanna Karpenstein vom Bundesfachverband Unbegleitete Minderjährige (UMF) informierte darüber, wie die Erfahrungen mit jungen Flüchtlingen für eine stärkere Vernetzung und einen wachsenden politischen Einsatz für alle Flüchtlingskinder genutzt werden kann.

Performance
Performance "Rootless", Foto: Frank Scheffka

Zum Abschluss führten junge Tänzerinnen und Tänzer aus Bremen die Performance "Rootless" vor, nach einer Choreografie von Arton Veliu, Tänzer und Choreograf, der mit deutschen und ausländischen Jugendlichen schon viel gemeinsame Projekte umgesetzt hat.